Wenn Türen knallen
von Katharina Wittenberg

Inhaltsverzeichnis
- Warum wir mit Türen knallen
- Wann wir Grenzen setzen und was das bedeutet
- Unsichtbare Mauern in Beziehungen
- Wege zur konstruktiven Kommunikation
- Dialog auf der Türschwelle
- Den inneren Dialog wiederfinden
- Wie ein achtsamer Dialog Beziehungen stärkt
- Ein Moment für dich
- Mehr Inspiration mit Kraft und Herz
Warum wir mit Türen knallen
Rumms….die Tür flog ins Schloss. Der Türrahmen erzitterte, das Holz zerbrach und flog in einer so hohen Geschwindigkeit durch den Raum, wie die Tür zuvor zugeworfen wurde. Der Schwung der Tür war so heftig, dass das Holz des Rahmens an der Stelle nachgab, wo eigentlich das Schloss die Tür hätte festhalten sollen. Aber diese schwungvolle Art war für den alten Türrahmen einfach zu viel und er gab nach. Die Holzstücke lagen verteilt im Raum und die Tür, die eigentlich hätte jetzt ausdrucksstark geschlossen sein sollen, stand nun offen.
Da will man energisch die Tür hinter sich schließen und als Ergebnis erhält man eine Tür, die wohl nie wieder schließen wird. Wenn das keine Ironie ist. Aufgrund dieser Erkenntnis konnte ich mir ein kurzes Lächeln nicht verkneifen, auch wenn die Situation in diesem Moment ernst war. Wohl wissend um die Ironie, stand nicht ich inmitten von Holzstücken und Splittern, sondern auf der anderen Seite der Tür.
Wann wir Grenzen setzen und was das bedeutet
Als Kind habe ich selbst diese Ausdrucksform regelmäßig ausgeübt. Regelmäßig hörte ich die Ermahnung: „Hör auf mit den Türen zu knallen!“ Was mich damals natürlich nicht davon abhielt diese lautstarke Grenzsetzung weiter zu zelebrieren. Nach solch einer Ermahnung nicht selten noch ein zweites Mal, manchmal nur allein deshalb, weil ich in dem Moment wusste, dass ich es konnte.
Das Türknallen – es ist wie eine Mischung aus Rückzug und Donner, der alles plötzlich erstarren lässt, während der Nachhall noch in den Ohren dröhnt. Was steckt eigentlich dahinter, wenn wir zu diesem stilistischen Mittel des Türenknallens greifen?
Unsichtbare Mauern in Beziehungen
Im Streit bauen wir Mauern zu anderen Menschen auf. Diese unsichtbaren Mauern, die wir nicht selten aus Frustration, Schutz, Trotz oder Hilflosigkeit und Überforderung aufbauen, sind manchmal aus Beton, Glas oder, wie in diesem Fall, aus Holz. Aber ganz gleich aus welchem Material sie sind, sie stehen im Weg. Knallen wir also mit den Türen, um ein Statement zu setzen? Weil wir uns nicht gehört fühlen, aber ein Türknallen unüberhörbar ist? Um uns abzugrenzen? Und wenn ja, von was eigentlich genau? Oder knallen wir mit den Türen, weil uns in der Situation gerade einfach nichts anders einfällt? Und wie können wir mit diesen Türen umgehen?
Wege zur konstruktiven Kommunikation
In erster Linie vor allem respektvoll, in dem wir die Tür, die sich vor uns geschlossen hat, auch geschlossen lassen – im besten Fall unkommentiert, denn es gibt ja einen Grund warum die Tür mehr oder weniger unsanft geschlossen wurde. Und wir können davon ausgehen, dass früher oder später die Tür, solange sie nicht unsichtbar und aus hunderten von Kilometern örtlicher Distanz besteht, sich auch wieder öffnen wird. Aber was können wir statt Türknallen tun?
Dialog auf der Türschwelle
Wie wäre es mit einem „Dialog auf der Türschwelle“: Öffnen statt zuschlagen und zuhören statt abschotten. Wie können wir das umsetzen? Wenn die Tür knallt, ist es für diesen Moment bereits zu spät. Aber wenn wir aufmerksam bei uns selbst sind und früher im Gespräch rechtzeitig eine Pause einlegen, um einmal tief durchzuatmen, dann besteht auch die Möglichkeit sich selbst zu öffnen und sich dem anderen mitzuteilen. Sich selbst in Verletzlichkeit annehmen und dem Partner die eigene Verletzlichkeit offenbaren, ist in den meisten Fällen erfolgsversprechender. Und wenn das Gegenüber dann aufmerksam zuhört, um für den anderen Raum zu schaffen, um für ihn da zu sein, dann sind die Erfolgsaussichten wesentlich höher, dass das Holz und der Türrahmen heil bleiben. In Gesprächen nachzufragen statt Interpretationen und Vermutungen anzustellen, trägt wesentlich dazu bei, unser Gegenüber besser verstehen. Damit machen wir Platz für wirklich starke Lösungsmöglichkeiten, wenn diese überhaupt benötigt werden.
Den inneren Dialog wiederfinden
Konflikte und Mauern gehören zum Leben und zu Beziehungen dazu, aber diese sollten keine Dauerlösung sein. Denn geschlossene Türen können uns schützen, aber sie können auch trennen. Es liegt an uns, wie wir mit unseren Türen umgehen möchten. Wollen wir die Tür lieber energisch schließen, weil wir den frühzeitigen Zeitpunkt verpasst haben, uns wirklich effektiv mitzuteilen oder zuzuhören? Wollen wir Fenster in die Türen einbauen und uns in den Raum dahinter einigeln? Oder wollen wir unsere Tür liebevoll geöffnet halten und einen sinnvollen und konstruktiven Dialog auf Augenhöhe führen? Selbstverständlich mit der Möglichkeit sie freundlich und rechtzeitig für einen Augenblick zu schließen, wenn wir einen kurzen Moment des Rückzugs zum Sammeln benötigen.
Wie ein achtsamer Dialog Beziehungen stärkt
Ich empfehle immer gern den verbindlichen Rückzug. Eine Mischung aus: Ich weiß Du bräuchtest mich gerade und ich kann leider gerade nicht für dich da sein, aber ich komme wieder auf dich zu. Diese Form bringt die Möglichkeit mit sich, entspannter eine Pause ins Gespräch oder in den sich zuspitzenden Streit zu bringen, um sich später auf der Türschwelle wieder im Dialog zu treffen.
Ein Moment für dich
Was hat dich das letzte Mal dazu gebracht, dass du jemanden „die Tür vor der Nase“ zugeschlagen hast?
Wie fühlst du dich, wenn jemand in einem Konflikt „die Tür zuschlägt“ – ob wörtlich oder im übertragenen Sinne?
Welche Mauern spürst du in deiner aktuellen Beziehung? Wo glaubst du, sind sie entstanden?
Wie gehst du damit um, wenn Mauern wachsen?
Was könnte dein erster kleiner Schritt sein, eine „Tür“ zu öffnen – für dich oder deinen Partner?
Mehr Inspiration mit Kraft und Herz
Glaube mir, nur weil ich als psychologische Beraterin, Paarberaterin und Mediatorin arbeite, heißt das nicht, dass Konflikte kein Teil meines Lebens sind. Auseinandersetzungen sind Bestandteil auch meiner eigenen Beziehungen. Der Schlüssel liegt darin, diese Momente zu nutzen, um Verbindung zu schaffen, anstatt sie zu verlieren. Es ist möglich, Konflikte in Verbindung zueinander umzuwandeln. Es braucht Mitgefühl, Geduld, harte Arbeit und den Mut, neue Wege der Bewältigung zu entwickeln und zu gehen. Gegeneinander zu kämpfen ist kraftraubend und zerstörerisch; für die Verbindung zu kämpfen, ist es wert.
Wenn ihr das Gefühl habt, dass eure Türen momentan öfter knallen, als dass sie sich öffnen, dann lade ich euch ein, gemeinsam mit mir nach neuen Wegen zu suchen. In meiner Paarberatung geht es darum, wieder einander zuzuhören, Perspektiven zu wechseln und neue Möglichkeiten zu finden, miteinander zu wachsen. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment für euch, um einen Schritt aufeinander zuzugehen – und durch eure Türen hindurch in eine stärkere Verbindung einzutreten?

